Im Auftrag des Lebens

Das Hospiz Köpenick feierte im Mai 2018 seinen ersten Geburtstag. Ein Plädoyer für das Leben.

Der Mentalist verblüfft die Gäste der Hospiz-Geburtstagsfeier mit seinen Tricks. Musik, Lachen und herzliche Fröhlichkeit breiten sich bis in den letzten Winkel des Hauses aus, dringen nach draußen und erfüllen das Gelände der DRK Kliniken Berlin | Köpenick mit Leben. Nicht lauthals wie auf der Fanmeile der Fußballweltmeisterschaft, aber auch nicht gerade versteckt. Der Hospiz-Bau steht fast auf den Tag genau ein Jahr. So lange lebt, liebt und leidet ein engagiertes Team aus Schwestern, Pflegern, Seelsorgern und Sozialarbeitern mit den Menschen, die hier ihren letzten Weg antreten und ihr Leben zu Ende leben.

Individuelle Zuwendung

Zu Ende leben, das ist so ein Gedanke. Als ob Leben jemals zu Ende oder irgendwie ausgelebt ist. Leben ist wesentlich mehr als an ein Ziel zu gelangen – und es ist oft unvollendet. Wie eine wunderbare Sinfonie, der am Schluss eine Notenzeile fehlt. Letzte Wege werden nicht selten als die schwersten beschrieben, aber auch als solche, auf denen alles in den Jahren vorher Versäumte besonders schmerzlich auffällt. Weil am Ende das Ende steht, zumindest wenn man nicht an eine der vielfältigen religiösen Jenseitsverheißungen glaubt.

Das Sterben im Hospiz ist nicht immer gleich, genau wie das Leben nicht gleich ist. Jeder Gast erhält individuelle Zuwendung rund um die Uhr, keiner leidet Schmerzen und auch seelischer Beistand ist ständig greifbar. Dafür sorgt das gesamte Hospiz-Team, das mit herzerfrischender Professionalität, mit Hingabe, Herzenswärme und scheinbar nie versiegendem Optimismus Sterbende buchstäblich an die Hand nimmt. Und es dabei schafft, das Haus geschützt und offen zugleich zu führen. Geborgenheit für die Gäste und Öffnung in die Region zu gewährleisten – ein Spagat, den das Team scheinbar mühelos meistert. Die Köpenicker Einrichtung ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie der Hospizgedanke in einer Region Fuß fassen und kreativ entwickelt werden kann.

„Es war kein einfacher Weg“

Zum ersten Geburtstag des Hospizes Köpenick gratulierten Oberin Doreen Fuhr, Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft Berlin e.V., der Geschäftsführer der DRK Kliniken Berlin, Dr. Christian Friese, der Kaufmännische Leiter der DRK Kliniken Berlin | Köpenick, Cornelius Held und Pflegedienstleiterin Astrid Weber. Oberin Doreen Fuhr – unter anderem alleinverantwortlich für die Leitung des gesamten Pflegebereichs in den DRK Kliniken Berlin – betonte, dass „es kein einfacher Weg war, ein Hospiz zu bauen“, aber einer, der vor allem und ganz bewusst für Sterbende gegangen werde, die nun seit einem Jahr in Obhut eines engagierten Teams ihr Leben vollenden. Wichtig sei, so die Oberin, das „Wegende“ in all seiner Zerbrechlichkeit wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass es in Würde bis zum Schluss gegangen werden kann. „Das Hospiz Köpenick ist ein Haus, das für Geborgenheit und Hilfe steht, wann immer Hilfe nötig ist. Und es lebt durch das gesamte Team, dem ich heute ganz besonders danken möchte“, machte Oberin Fuhr sichtlich bewegt den Stellenwert der Einrichtung und aller Mitarbeitenden deutlich.

Der Vorsitzende des Hospizfördervereins beneficio e.V., Prof. Dr. med. Stefan Kahl, bedankte sich bei den Schwestern und Pflegern für den geleisteten Dienst und verwies auf die Gäste, die an der großen Kaffeetafel Platz genommen haben und die Feierlichkeiten genossen. Für sie, so Kahl, habe man das Hospiz gebaut. Tatsächlich hat das Hospiz-Team im ersten Jahr nach Eröffnung weit über 170 Menschen beim Sterben begleitet. Das ist die Kernaufgabe, sofern man einen eher nüchternen, betriebswirtschaftlichen Begriff bemühen möchte. Allerdings gilt Hilfe und Zuwendung nicht nur den Gästen und ihrem Weg, sondern auch den Angehörigen bis hin zu Kindern, die einen Elternteil, ihre Großeltern oder ein anders Familienmitglied verlieren. „In der Hospizarbeit liegt große Verantwortung, da die sprichwörtliche Routine im Umgang mit dem Sterben nur wenig hilft“, ist Professor Kahl überzeugt. Und an das Hospiz-Team gewandt fügte er hinzu: „Es ist vielmehr die Haltung zum Leben, die jeden Einzelnen von ihnen die richtigen Entscheidungen treffen lässt. Sie haben es geschafft, Leben in das Hospiz zu bringen. Sie alle haben einen Ort für das Leben geschaffen.“ Der Förderverein beneficio e.V. unterstützt seit seiner Gründung die Hospizarbeit.

Glückwunsch!

Im Verlaufe der Geburtstags-Feierlichkeiten wurde der Raum der Stille, den der Künstler und Architekt Martin Stachat gestaltet hat, eröffnet. Maßgeblichen Anteil daran haben Hospiz-Seelsorgerin Christa Scholz vom Bistum Berlin, der Förderverein beneficio e.V. und die zahlreichen Spenderinnen und Spender, die durch ihre finanziellen Zuwendungen geholfen haben (siehe auch: http://www.hospiz-koepenick.de/fuer-die-ewigkeit/).

Glückwunsch, Du junges Haus! Du tust dem Leben gut und den Menschen, die Du beherbergst. Noch viel mehr: Glückwunsch, Du junges Hospiz-Team! Danke für Deine Liebe, Lachen, Herzlichkeit, helfende Hände. Danke für Deine Sorgfalt, vor allem für Deine aufrechte Haltung. Danke auch für Deine Tränen und würdevolle Anteilnahme in vielen schwierigen Situationen. Respekt für Dein stetes Ringen um den besten Weg für Deine Schutzbefohlenen.

Dank allen Förderern, Unterstützern, allen Spendern kleiner und größerer Geldbeträge. Dank der DRK-Schwesternschaft Berlin e.V., den Führungskräften der DRK Kliniken Berlin, den engagierten Ehrenamtlichen, den begleitenden Ärzten und den Besuchern der Hospiz-Benefiz-Veranstaltungen. Sie alle stärken die Region weit über die Bezirksgrenzen hinaus mit Ihren vielfältigen Gaben – im Auftrag des Lebens.

Foto oben: Tabea und Helene schneiden gemeinsam mit Hospizleiter Frank Armbrust die inzwischen legendären selbstgebackenen Kuchen an.

In der Galerie: Oberin Doreen Fuhr, Geschäftsführer Dr. Christian Friese, Sozialarbeiterin Karin Lietz, Verantwortliche Pflegefachkraft Franziska Irmscher, Prof. Dr. med. Stefan Kahl und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Kerstin Küttner mit einem Hospizgast sowie Schwestern, Pfleger und Besucher.