Förderverein

Wir bewegen etwas

Über die Arbeit des Fördervereins beneficio e.V. hat der Initiator des Hospizes, Professor Dr. med. Stefan Kahl, mit dem Journalisten Uwe Baumann für das  Magazin Z – Das Leben ist schön, Ausgabe Nr. 7, gesprochen.

Herr Professor Kahl, das Hospiz wurde 2017 eröffnet. Sie waren der Initiator und haben damals gesagt, dass es viel mehr solcher Einrichtungen geben müsste. Hat sich seither die Situation für den Berliner oder Brandenburger Raum verbessert?
Wenn mit „die Situation“ gemeint ist, ob es in unserer Region mehr Hospizplätze als vor fünf Jahren gibt, dann hat sich die Situation geändert, nach dem Hospiz in Köpenick sind weitere Hospize gegründet worden, die heute Gäste versorgen. Insgesamt hat sich „die Situation“ aber aus meiner Sicht nicht signifikant verändert: Auch heute noch wollen die meisten Menschen ihr Leben dort beenden, wo sie es gelebt haben – zu Hause, in gewohnter Umgebung und mit Unterstützung durch ihre Angehörigen und Freunde. Trotzdem sterben Menschen in Krankenhäusern, Altenheimen und in den Hospizen, weil sich die Strukturen für die häusliche Versorgung einfach noch nicht so entwickelt haben, wie es notwendig wäre.

Ist denn damit zu rechnen, dass sich da in der nächsten Zeit etwas bewegt?
Ich bin mir nicht sicher, dass das so einfach ist und in der nächsten Zeit Verbesserungen möglich sind. Ein gesamtes Netzwerk an ambulanten Strukturen müsste gestärkt werden (Pflegedienste, Therapeuten, Ärzte, Sozialarbeiter, Seelsorger, um nur einige zu nennen). Wenn sich Menschen um ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase kümmern möchten, müssen sie unterstützt werden, vielleicht von der Arbeit freigestellt werden und trotzdem muss der Lebensunterhalt gesichert sein, sie brauchen professionelle und ehrenamtliche Hilfe und Unterstützung. Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir gerade in der gegenwärtigen Situation nicht in der Lage sind, da etwas zu bewegen oder wenigstens eine gesellschaftliche Debatte darüber zu führen.

Können Sie nach gut fünf Jahren Hospiz Köpenick eine Bilanz ziehen? 
Bilanz klingt so endgültig. Aber vielleicht so: Das Leben ist schön – bis zum Schluss. Das hat sich in den fünf Jahren in unserem Hospiz immer wieder bewahrheitet. Nicht jeder Tag war schön, nicht jede Stunde, aber wenn ich zurückblicke, dann stimmt dieser Satz. Uneingeschränkt. Das Leben ist schön. Das Hospiz benötigt regelmäßig Spenden. Durch die Pandemie war jedoch zum Beispiel die kulturelle Arbeit des Fördervereins eingeschränkt.

Wie wirkte sich das aus?
Tatsächlich sind wir auch weiterhin auf Spenden angewiesen, die Spendenbereitschaft ist jedoch groß. Die Zuwendungen von einzelnen Personen sind etwas zurückgegangen, auch die durch Veranstaltungen erzielten Spenden, weil es eben keine Veranstaltungen gab. Dafür ist die Zahl der Mitglieder im Förderverein gestiegen und damit auch die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen. Und in jedem Jahr gab es auch jeweils mindestens eine sehr große Spende, ich rede da von Summen ab 30.000 Euro aus Erbschaften oder Zuwendungen von Firmen oder gemeinnützigen Organisationen. Der Förderverein hat es bisher vermocht, nicht nur die vom Gesetzgeber „geplante“ Lücke in der Finanzierung (vereinfacht: fünf Prozent des Budgets, das sind in unserem Hospiz rund 120.000 Euro pro Jahr) auszugleichen. Vielmehr haben wir uns auch in jedem Jahr an den Kosten für die Musiktherapie, die Seelsorge oder das Freiwillige Soziale Jahr beteiligt. Aus Mitteln des Fördervereins sind Ergänzungen zur Ausstattung beschafft worden, konkret zum Beispiel Nachtschränke.

Damit wir ein Gefühl bekommen: Um welche Summen geht es denn insgesamt jährlich?
Der Verein unterstützt das Hospiz jährlich mit Summen bis zu 200.000 Euro.

In den vergangenen Jahren haben wir in diesem Heft Spenderlisten veröffentlicht, das gibt es in diesem Jahr nicht. Warum?
Wir erhalten im Jahr Zuwendungen von mehr als 700 Personen oder Organisationen. Nicht jeder dieser Spender war glücklich, seinen Namen auf einer Liste zu lesen, viele hätten vorher gefragt werden wollen. Zudem gehen viele anonyme oder namentlich nicht eindeutig charakterisierte Spenden ein, bei denen wir aufwändig recherchieren mussten, um die Herkunft eindeutig zu klären. Wir sind dankbar für jede einzelne Zuwendung, aber das hat die Zeit des Vorstandes sehr in Anspruch genommen. Wir wollen weiterhin kein Geld für die Büro- oder Vorstandsarbeit ausgeben, deshalb haben wir uns im Vorstand gegen die Spenderliste entschieden.

Wie viel Geld gibt der Verein für sich selbst aus, also für Bürotätigkeit, Administration oder Werbung?
Im vergangenen Jahr haben wir von jedem vierten Euro einen Cent für Verwaltungsaufgaben ausgegeben, insgesamt weniger als 0,25 Prozent. Das gelingt nur durch ausschließlich ehrenamtliche Arbeit und die wirklich großzügige Unterstüt- zung durch die DRK Schwesternschaft Berlin und die DRK Kliniken Berlin Köpenick.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft – vorausgesetzt, aktuelle und künftige Lagen lassen Pläne und deren Umsetzung zu?
Wir wollen wieder Konzerte veranstalten, wenngleich ich ein gewisses Störgefühl habe, wenn ich Künstler, die auch in der Pandemie ganz erheblich unter ausbleibenden Gagen litten, bitten soll, bei einem Konzert für das Hospiz ganz oder wenigstens teilweise auf eine Bezahlung zu verzichten. Aber da werden wir einen Weg finden, momentan traue ich den Bestrebungen zur Freizügigkeit noch nicht ganz, weshalb wir bisher keine Veranstaltungsreihe geplant haben. Ein Spendendinner in der Friedrichshagener Trattoria Tresoli soll es geben, auch das Magazin Z erscheint weiter – wir sind also aktiv.

Sie werden Berlin im Sommer verlassen?
Ja, das stimmt, beruflich werde ich Berlin und damit die DRK Kliniken Berlin verlassen und ab Juli in Basel (Schweiz) Chefarzt bei CLARUNIS sein.

Bedeutet das, Sie werden Ihre Arbeit für den Förder- verein beneficio e.V. und das Hospiz beenden?
Nein, das bedeutet es nicht, ich werde mich beruflich verändern, aber die Arbeit im Förderverein werde ich vorerst weiterführen. Ich werde alles daransetzen, dass der Förderverein mit seinen vielen Förderern und Freunden die Arbeit des Hospizes weiterhin so erfolgreich unterstützt.

Was wünschen Sie sich für das Hospiz Köpenick speziell, aber auch für die Hospiz-Bewegung im Berliner Süden?
Wir haben im Hospiz empathische und engagierte, freundliche und aufgeschlossene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich wünsche mir, dass es ihnen gut geht und sie weiter Freude an der Arbeit haben. Ich wünsche mir viele mutige und selbstlose Menschen, die die Hospiz- und Palliativbewegung ehrenamtlich unterstützen. Ich wünsche mir Wahrnehmung, Unterstützung und Akzeptanz für die Tätigkeit all der vielen Menschen durch diejenigen, die politische Entscheidungen treffen und nicht zuletzt eine stabile, wertschätzende Finanzierung durch die Kostenträger.

Das sind große Wünsche …
… ja, aber sie sind wichtig und wenn der eine oder andere Wunsch erfüllt wird, hilft das langfristig, diese große Aufgabe der Palliativ- und Hospizversorgung zu stemmen! Und wenn wir es nicht immer wieder artikulieren, drängen sich andere Dinge nachhaltig in den Vordergrund. Danke für das Gespräch.